Heimat- und Traditionsverein Hallbergmoos

Wir führen Heimat, Tradition und Gegenwart zusammen

Zur zeitgeschichtlichen Einordnung

Das 60. Stiftungsfest des Krieger- und Veteranenvereins liegt jetzt 90 Jahre zurück, deshalb sei eine zeitgeschichtliche Einordnung vorangestellt:

  • Eine Handvoll Veteranen aus Hallbergmoos und Goldach gründeten 1873, zwei Jahre nach dem Ende des deutsch-französischen Kriegs von 1870/71, den KSV Hallbergmoos, der auch Goldach einschloss.
  • 1. Bürgermeister der Gemeinde Hallbergmoos war seit 1913 Ludwig Funk.
  • Vorsitzender des Festvereins für das Stiftungsfest war Michael Fritz, Großvater meiner Ehefrau.
  • Bei der letzten Volkszählung hatte Hallbergmoos ca. 1000 Einwohner.
  • Seit 1930 fuhr täglich ein Postbus sowohl nach Freising als auch nach München.
  • Am 30. Januar 1933 war Adolf Hitler vom greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Kanzler des Deutschen Reiches ernannt worden.
  • Am 27. Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude in Berlin, der Reichspräsident erließ schon einen Tag später die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“, sie setzte die Weimarer Verfassung faktisch außer Kraft und legalisierte die Verfolgung politischer Gegner der NSDAP durch Polizei und SA.
  • Am 9. März 1933 setzte der selbsternannte Reichskommissar Franz Ritter von Epp den bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held aus Freising ab und ernennt am 12. April 1933 Ludwig Siebert, NSDAP, zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten.
  • Am 22. März 1933 wird in Dachau das erste Konzentrationslager errichtet, in das politische Gegner zur sog. Schutzhaft eingeliefert wurden.
  • Am 24. März 1933 ging mit dem sog. „Ermächtigungsgesetz“ die gesetzgebende Gewalt auf den Reichskanzler Adolf Hitler über.
  • Der 1. Mai wurde 1933 erstmals ein Feiertag, Absicht war, die Arbeiterschaft für den Nationalsozialismus zu gewinnen.

Das war das historische Umfeld, in das das 60-jährige Stiftungsfest des KSV Hallbergmoos fiel. Über die Feierlichkeiten berichtete am 29. August das „Freisinger Tagblatt“ sehr ausführlich, siehe das folgende Bild. Dabei wird die Ehrenwache der SA am Kriegerdenkmal, die SA-Kapelle Hallbergmoos, die Hitlerjugend, das Jungvolk und das Stahlhelm Arbeitslager Ferstlschwaige erwähnt.

 Zeitungsartikel 60.Stiftungsfest im Freisinger Tagblatt

60. Stiftungsfest

des Krieger- u. Veteranenvereins Hallbergmoos

Hallbergmoos, 28. August

Am gestrigen Sonntag feierte der Krieger- und Veteranenverein Hallbergmoos sein 60. Stiftungsfest. Ein prachtvolles Wetter gegünstigte die Feierlichkeiten, die bereits um 6 Uhr morgens mit einer Flaggenparade und dem Aufziehen der Ehrenwache der SA. beim Kriegerdenkmal begannen. Zu Fuß und mit Rädern fanden sich zahlreiche Besucher aus der Umgebung ein, die den stattlichen Kirchenzug sehen wollten, der sich vor dem Festgottesdienst formierte. Die Spitze des Zuges bildete Hitlerjugend und Jungvolk und die SA.-Kapelle Hallbergmoos. Dann folgten SA. und die Mitglieder des Stahlhelm-Arbeitslagers Ferstlschwaige, die Feuerwehren Hallbergmoos u. Goldach, drei Festjungfrauen mit Erinnerungsmünzen und Fahnenbändern, der Krieger- und Veteranenverein Hallbergmoos, der Kriegerverein Goldach, Burschen- und Krankenunterstützungsverein Hallbergmoos und Goldach, der Rauch- und Sparvereine Hallbergmoos, der Sportverein „Siegfried“ Hallbergmoos, der kath. Männerverein Hallbergmoos und der kath. Burschenverein Hallbergmoos. Den Festgottesdienst zelebrierte H. H. Pfarrer Weiß, der sich in der Festpredigt an die Krieger wandte und von ihnen auch im religiösen Leben als Streitern des Glaubens foldatische Eigenschaften forderte. Nach dem Hochamt in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche fand ein Marsch zum Kriegerdenkmal statt. Dort gegrüßte der Vorstand des Krieger- und Veteranenvereins Hallbergmoos Herr Fritz die erschienen Teilnehmer am Feste und dankte für ihr Erscheinen. Von den Festjungfrauen sprache Frl. Anni Rampf einen kunstvoll verfaßten Prolog. Hierauf entbot der Bezirksobmann des Bayer. Kriegerbundes Herr Pfaffelmoser-FReising im Auftrage des 1. Präsidenten Generals von Beck und des Gesamtpräsidiums des Bayer. Kriegerbundes herzliche Glückwünsche. Der Verein habe in den 60 Jahren seines Bestehens gezeigt, daß Treue, Kameradschaftssinn und Opferbereitschaft in seinen Reihen wohnen. Dank gebühre heute besonders den Gründern des Vereins, aber auch den Mitgliedern des jeweiligen Ausschusses, die durch ihre Arbeit, und der Gesamtmitgliedschaft, die durch ihre Zusammenstehen den Verein auf seine Höhe brachten. So habe der Verein auch Kriegs- und Nachkriegsjahre glücklich überdauert. Besonders zu begrüßen sei es, daß nun auch die neue deutsche Jugend wieder mit neuem Geiste heranwachse, der angefacht wurde durch die überwältigende Kraft unseres Volkskanzlers Adolf Hitler, der auch den Alten die Wege wieder frei gemacht hat. Mit der Bitte, die Bestrebungen der Jugend zu fördern, schloß der Bezirksobmann seine Ansprache. Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel-Lied bekundeten die Anwesenden ihr Einverständnis und ihr nationales Fühlen.

Herr Bürgermeister Funk legte sodann für die Gemeinde Hallbergmoos und Herr Fritz für den Krieger- und Veteranenverein einen Kranz am Denkmal nieder. Mit dem Lied vom guten Kameraden nahm man Abschied von den reich geschmückten Gedenkstätte. Dann ging der Marsch zu alten Wirt, dem Vereinslokal des Krieger- und Veteranenvereins. Dort fand nach einem Gedicht der Festjungfrau Frl. Meier die Ehrung langjähriger Mitglieder durch Gedenkmünzen statt, die Herr Bezirksobmann Pfaffelmoser vornahm. Geehrt wurden für 50jährige Mitgliedschaft: Schar Georg, Greil Friedrich, Frierl Jakob, Sedlmeier Georg, Loibl Matthias; für 40jährige Mitgliedschaft: Adelsberger Jakob, Anghofer Matth., Günzhofer Joh., Berndl Mar, Steinhard Michael, Reuel Jos.; für 25jährige Mitgliedschaft: Funk Ludwig, Rampf Andreas, Rückerl Jos., Wimmer Simon, Niedermeier Jos., Holzer Seb., Zwicknagel Joh., Saustl August, Fischer Martin, Schranner Barth., Meier Peter, Reitmeyer Alois. An die Ehrung schloß sich ein gemeinsamer Mittagstisch an. Nachmittags 2 Uhr bewegte sich der Festzug in der gleichen Aufstellung wie am Vormittag durch die Straßen von Hallbergmoos. Hernach fand im Gasthaus Schranner Konzert statt. Den Tag beschloß abends 7 Uhr ein Festball.

Interessant der Tenor des Textes, der bereits ganz auf die nationalsozialistische Ideologie ausgerichtet ist. Im Vergleich dazu ist der Bericht von der Fahnenweihe am 14. Juli 1929, siehe im folgenden Bild, eher poetisch und frei von nationalem Getöse. Für diesen Bericht ist die ganze Zeitungsseite wiedergegeben, vergrößert dann aber auch im folgenden Text. Bitte vergleichen Sie selbst Stil und Inhalte der beiden Zeitungsberichte. Innerhalb kurzer Zeit hat ein Wandel in der Berichterstattung stattgefunden, der neben anderen Unrechtsmaßnahmen den Boden für das NS-Regime fruchtbar gemacht hat.

 Zeitungsartikel der Fahnenweihe vom 14. Juli 1929 im Freisinger Tagblatt

 Erster Teil des Berichts von der Fahnenweihe 

Fahnenweihe des Krieger- und Veteranenvereins Hallbergmoos

Hallbergmoos, 15. Juli.

Ein wunderschöner Sommersonntag lag über dem Moos, dessen Wiesen im saftigen Grün des zweiten Schnittes stehen, auf dessen gesegneten Aeckern die Früchte der Reife entgegenharren. Eine sonntägliche Stimmung herrschte über der weiten Ebene und nur der Gang der Vögel und das Plätschern der vielen, vielen Wasserläufe durchzitterte die Stille des glitzernden Morgens. Und inmitten all dieser Sommerpracht lag das schmucke Hallbergmoos, das an diesen Sonntag ein festtägliches Gewand angelegt hatte. Beging doch der Krieger- und Veteranenverein Hallbergmoos das Fest der Fahnenweihe.

Im Laufe der ersten Stunden des Vormittags wurden die von auswärts kommenden Vereine von der Musikkapelle Rampf-Hallbergmoos am Dorfeingang empfangen und zum Gasthaus „Alter Wirt“ geleitet, wo sich kurz vor ½10 Uhr der Kirchenzug aufstellte. Es nahmen daran teil: an der Sitze die Musikkapelle Rampf, dann die sechs Festjungfrauen (Frl. Therese Niedermaier, Frl. Ther. Funk, Frl. Ther. Maier, Frl. Anna Rampf, Frl. Justine Breitenacher und Frl. Anna Göttler) mit den Fahnenbändern, in geschmücktem Auto die Fahnenmutter Frauch Buchschmid-Goldach mit weißgekleideten Kinder, die Vertretung des Bezirks Freising des Bayer. Kriegerbundes mit Herrn Stadtrat Gill-Freising an der Spitze, die freiw. Feuerwehren Hallbergmoos und Goldach, die Krieger- und Veteranenvereine Hallbergmoos und Goldach (dieser als Patenverein), der kath. Männerverein St. Petrus Canisius Hallbergmoos, der Sportverein „Siegfried“ Hallbergmoos, die Burschenvereine Hallbergmoos-Goldach, sämtliche Vereine mit ihren Fahnen und Standarten.

In der hübschen Dorfkirche, die mit Girlanden geschmückt worden war, nahmen die Fahnenabordnungen vor dem Hochaltar und im Mittelgang der Kirche Aufstellung. Eine dichtgedrängte Schar von Festgästen füllte die Bänke. Hochw. Herr Pfarrer Weiß richtete an die Anwesenden vor der Weihe des neuen Banners eine Ansprache, in der er die ehemaligen Soldaten zu einer öffentlichen Gewissenserforschung anhielt. Er wies darauf hin, daß Kaserne und Christentum sich fast feindlich gegenüberstanden, daß die Kaserne das Kreuz nicht kannte und das Soldatenleben schwere Gefahren für Glauben und Sitte mit sich brachte, den auch viele unterlagen. Die Schuld an diesen Zuständen habe nicht zum Hauptteile die Soldaten getroffen, sie sei vielmehr im allgemeinen auf die Führer gefallen, denen der Geist des hl. Sebastian gefehlt habe. Zum Schlusse stellte Hochw. Herr Pfarrer Weiß mit Freude fest, daß der Veteranen- und Kriegerverein Hallbergmoos stets treu zu Kirche gehalten habe und eine der stärksten Stützen der Seelsorge in der Pfarrei bedeute.

 Zweiter Teil des Berichts von der Fahnenweihe

Hierauf segnete der Priester die neue Fahne im Namen des dreieinigen Gottes und zelebrierte anschließend eine hl. Messe, die von den Liedertafel Hallbergmoos unter Direktion des Herrn Hauptlehrer Gehwald und von der Kapelle Rampf durch musikalische Einlagen verherrlicht wurde. Außerdem sangen die Schulkinder einige geistliche Lieder.

Nach dem Gottesdienst bewegte sich der Kirchenzug mit der neugeweihten Fahne zum Kriegerdenkmal im oberen Dorf. Dort begrüßte der erste Vorstand des Festvereins, Herr Fritz, nach dem von der Liedertafel Hallbergmoos vorgetragenen Liede „Dir möcht' ich diese Lieder weihen“ und dem Festprolog, hübsch gesprochen von Frl. Therese Niedermaier, die erschienenen Vereine und Festgäste aufs herzlichste.

Herr Hauptlehrer a.D. Lindermaier-Freising warf in seiner Festrede zunächst einen kurzen Rückblick auf die Entwicklungsgeschichte des Ortes Hallbergmoos, stellte den Anwesenden vor Augen, was die alte Fahne des Krieger- und Veteranenvereins Hallbergmoos für den Verein bedeutete, und heftete als letzten Gruß und zum Andenken an die Weihe des neuen Banners ein von der Familie Lindermaier gestiftetes Erinnerungsband an die alte treue Fahne. Dann deutete er den Sinn der Fahnenweihe und die stumme, aber eindringliche Mahnung des neuen Banners. Sie rufe die, die ihr folgen, auf zur Treue zum Verein, zur Treue gegen Familie und Heimatgemeinde, zur Treue gegen unser engeres und weiteres Vaterland und endlich zur Treue gegen sich selbst.

Frl. Therese Funk gedachte nun in einem Gedicht, das sie in herzlichem Tone vortrug, der gefallenen Helden und heftete das Trauerband aus schwarzem Samt an die neue Fahne.

Herr Bürgermeister Funk gedachte in seiner kurzen Ansprache ebenfalls der Heldensöhne der Gemeinde Hallbergmoos und legte als Gruß und Dank einen herrlichen Blumenkranz im Namen der Gemeinde Hallbergmoos am Denkmal nieder.

Herr Stadtrat Gill-Freising sprach als Vertreter des Bezirksobmannes des Bayer. Kriegerbundes und im Auftrage des Bayer. Kriegerbundes und seines Präsidiums. Er stellte den Frontsoldaten ebenfalls die Bedeutung der Fahne vor Augen und forderte sie auf, sich mit Wort und Tat einzusetzen für Deutschlands Wiedererstarken und für seien Befreiung von den ungerechten Schuldverträgen. Auch er legte am Denkmal einen herrlichen Kranz nieder.

Mit tiefem Schweigen hörte die Festversammlung das Lied vom gutem Kameraden an und wohl mancher gedachte des einen oder anderen lieben Toten, der draußen in fremder Erde den ewigen Schlaf hält. Dann sprach Frl. Therese Maier für die Fahnenmutter einen kurzen, aber sinnreiche Prolog, worauf das kostbare Ehrenband, das Frau Buchschmid gestiftet hatte, an das neue Banner geheftet wurde.

Mit dem Liede „Ich kenn' ein' hellen Edelstein“, gesungen von der Liedertafel Hallbergmoos unter Leitung des Herrn Hauptlehrer Gehwald, fanden die Gedenkfeier am prächtig geschmückten Kriegerdenkmal und damit zugleich die Veranstaltungen des Festvormittags ihr Ende.

Um 3 Uhr nachmittags versammelten sich die Festgäste wieder beim „alten Wirt“. Nach einer kurzen Ansprache des Herrn Vorstandes Fritz trug Frl. Anna Göttler ein Gedicht vor, worauf das Ordensband, das Herr Niedermaier-Brandau gestiftet hatte, dem Verein ausgehändigt wurde. Die Festjungfrauen Frl. Niedermaier, Frl. Funk und Frl. Göttler überreichten nach einem Prolog das Band der Jungfrauen; schließlich wurden noch die Patenbänder ausgetauscht. Die an dem Feste teilnehmenden Vereine erhielten Erinnerungsbänder. Mit der Übergabe von Ehrenurkunden an verschiedene Gönner nahm das eigentliche Festprogramm sein Ende.

Die Fahne selbst stammt ebenso wie die Fahnenbänder aus der Fahnenfabrik Lindner-München. Sie ist hervorragend schön gearbeitet und zeigt auf der einen Seite in weiß-blauer Rautenumrahmung und verschiedenem Zierrat das bayerische Wappen. Darüber ist die Inschrift: „Mit Gott für Volk und Vaterland“ und darunter der Wahlspruch: „In Treue fest“ eingestickt. Die andere Seite ist ebenso reich ausgestattet. Inmitten eines Schlachtfeldes ragt das Kreuz von Saarbrücken in die Lüfte, darunter befindet sich ein Bild des hl. Sebastian, des Schutzpatrons der Soldaten. Der Name des Vereins und die Jahreszahl der Weihe des Banners sind in goldenen Lettern eingestickt, während weiß-blaue Einfassungen und Eichenlaubverzierungen den Abschluß nach den Rändern zu bilden. Der Fahnenschaft zeigt oben den bayerischen Löwen mit gezücktem Schwert.

Dank der guten Witterung und der unermüdlichen Vorbereitungsarbeiten nahm der ganze Festtag einen sehr schönen Verlauf. Im besonderen haben sich die Herren Vorstand Fritz, Hauptlehrer Gehwald (Leiter der Dekoration), Bürgermeister Funk und Hochw. Herr Pfarrer Weiß verdient gemacht. Für Erfrischung und Stärkung hatten das Hofbrauhaus Freising und die Herbergs-Eheleute in bester Weise gesorgt, so daß auch in dieser Beziehung nichts zu wünschen übrig blieb.


Ich danke Josef Moos für die Durchsicht und Bearbeitung.


Hallbergmoos, 27. Januar 2023
Karl-Heinz Zenker

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